Eine Rechnung ist keine spannende Briefpost, vielleicht am wenigsten interessant ist für viele Endkunden die Energiekostenabrechnung. Die Höhe dieser Rechnung ist meist zu gering, um genauer hinzusehen und zu kompliziert, um diese auf einen Blick zu verstehen. Doch die Energiestrategie 2050 der Schweiz fordert nicht nur den Umstieg auf erneuerbare Energien, sondern auch den sparsamen Einsatz von Ressourcen. Dies führte Lorenz Matter, FHNW Student des Studiengangs Energie- und Umwelttechnik, zur Frage: Wie kann eine transparente Abrechnung Endkunden zum Stromsparen motivieren?

Jeder kennt sie, kaum jemand versteht sie und diejenigen, die sich die Zeit nehmen die Details genauer anzusehen, stossen rasch an ihre Grenzen. Spätestens nach dem Betrachten der Details der Energiekostenabrechnung wird der Endkunde in tabellarischer Form mit Begriffen wie Stromkosten, Netzkosten und Abgaben konfrontiert. Die Erklärungen der einzelnen Begriffe der Energieversorger für Elektrizität, Fernwärme und Gas sind zudem schwer verständlich. Dies war für die FHNW Grund genug, den Bachelorstudenten Lorenz Matter mit folgenden Forschungsfragen zu beauftragen: Welche Möglichkeiten gibt es, Zahlen und Begriffe in der Energiekostenabrechnung so darzustellen, dass diese einfacher verstanden werden? Welche Darstellungsformen motivieren die Kunden ihren Energiekonsum zu reduzieren? Sind zusätzliche Informationen notwendig, um zum Stromsparen zu motivieren?

Die FHNW stellte dem Studenten im Rahmen seiner Bachelorthesis folgende Aufgaben:

  • Bestandsaufnahme heutiger Rechnungen erstellen
  • Verbesserungsvorschläge auf der Basis heutiger Rechnungen ausarbeiten
  • Mögliche Veränderungen durch neue technische Möglichkeiten erfassen
  • Szenarien für mögliche Gesetzesänderungen definieren


Ergebnisse der Analyse

Die tabellarische Auflistung des Verbrauchs und der Kosten gibt wenig Aufschluss über den Energieverbrauch und meist fehlt ein einfacher Vergleich mit einer Vorperiode. Die Analyse hat die anfängliche Vermutung somit bestätigt: bereits heute sind wesentliche Verbesserungen in der Abrechnung mit relativ geringem Aufwand möglich. Jedoch fand Lorenz Matter heraus, dass die Kunden aufgrund des weit verbreiteten Lastschriftverfahrens die Rechnungsdetails nicht zur Kenntnis nehmen.

Regeln für die Energiekostenabrechnung

Fig. 1: Empfohlene Regeln für die optimierte Energiekostenabrechnung

Zukünftige Entwicklungen von Smartmetern

Bis Ende 2027 müssen in der Schweiz 80% der elektrischen Energiezähler auf Smartmeter umgerüstet werden. Die Smartmeter erlauben eine bidirektionale Datenübermittlung im Viertelstundentakt mit Energie- und Tarifinformationen. Zusätzlich steuert der Smartmeter den Energiefluss.

Die vom Smartmeter gesammelten Daten können mittels statistischer Auswertungen automatisch und stichtaggenau in die Energiekostenabrechnung integriert werden. Durch diese zusätzlichen Informationen erfahren die Endkunden mehr über ihr Energiekonsumverhalten und können Energiesparpotentiale einfacher aufdecken. Fragen zu Datensicherheit und Zugriffsrechten der Energiedienstleister müssen in diesem Zusammenhang noch geklärt werden.

Spartipps als Hinweis für Änderung des Nutzerverhaltens (Quelle: Beitrag zu transparenten und motivierenden Energiekostenabrechnungen, BA-Thesis EUT, Lorenz Matter, 2017)

Fig. 2: Spartipps als Hinweis für Änderung des Nutzerverhaltens (Quelle: Beitrag zu transparenten und motivierenden Energiekostenabrechnungen, BA-Thesis EUT, Lorenz Matter, 2017)

Schlussfolgerungen

Bereits heute sind viele Änderungsvorschläge in der Energiekostenabrechnung direkt umsetzbar. Ein Blick über die Grenze zeigt, dass die Energiekostenabrechnung in der Schweiz nur Tabellen beinhaltet, in Deutschland enthalten die Rechnungen zusätzlich grafische Darstellungen. Allein durch eine grafische Darstellung wird die Rechnung verständlicher.

Die Gliederung der Rechnung mit Piktogrammen, Farben und grafischer Darstellung von Zahlen (Frankenbeträgen, Energie, …) erleichtert die Lesbarkeit. (Quelle: Beitrag zu transparenten und motivierenden Energiekostenabrechnungen, BA-Thesis EUT, Lorenz Matter, 2017)

Fig. 3: Die Gliederung der Rechnung mit Piktogrammen, Farben und grafischer Darstellung von Zahlen (Frankenbeträgen, Energie, …) erleichtert die Lesbarkeit. (Quelle: Beitrag zu transparenten und motivierenden Energiekostenabrechnungen, BA-Thesis EUT, Lorenz Matter, 2017)

Weitere Detailinformationen über den Energieverbrauch liefert der Einsatz von Smartmetern. Hierbei sind nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen wie Datenschutz, zu berücksichtigen. Die Änderungsoptionen bei einer Rechnung in Papierform sind limitiert.

Vergleich des Stromverbrauchs über mehrere Abrechnungsperioden und zwischen unterschiedlich grossen Haushalten (Quelle: Beitrag zu transparenten und motivierenden Energiekostenabrechnungen, BA-Thesis EUT, Lorenz Matter, 2017)

Fig. 4: Vergleich des Stromverbrauchs über mehrere Abrechnungsperioden und zwischen  unterschiedlich grossen Haushalten (Quelle: Beitrag zu transparenten und motivierenden Energiekostenabrechnungen, BA-Thesis EUT, Lorenz Matter, 2017)

Grafische Darstellung des monatlichen Stromverbrauchs mittels Smartmetern (Quelle: Beitrag zu transparenten und motivierenden Energiekostenabrechnungen, BA-Thesis EUT, Lorenz Matter, 2017)

Fig. 5: Grafische Darstellung des monatlichen Stromverbrauchs mittels Smartmetern (Quelle: Beitrag zu transparenten und motivierenden Energiekostenabrechnungen, BA-Thesis EUT, Lorenz Matter, 2017)

Kunden mit einem Energieverbrauch unter 100’000 kWh pro Jahr können den Energielieferanten nicht frei wählen. Diese Kundengruppe beinhaltet fast alle Privatkunden der Schweiz. Von einer informativeren Darstellung der Daten würden besonders die Privatkunden profitieren. Mit dem Aufkommen von Smartmetern und digitalen Portalen lassen sich für die Zukunft weitere interessante Darstellungsmöglichkeiten erschliessen.