Drei Jahre lang haben Mitarbeitende verschiedener Hochschulen der Fachhochschule Nordwestschweiz zusammen mit Projektpartnern aus der Wirtschaft am Projekt «Regionaler Energieverbund» gearbeitet. Wir wollen die Highlights kurz Revue passieren lassen. 

Im Projekt «Regionaler Energieverbund», das von der Fachhochschule Nordwestschweiz im Rahmen der strategischen Initiative Energy Chance 2015 lanciert wurde, stehen die technische Steuerung flexibler Kleinverbraucher im Stromversorgungssystem, Kundenverhalten, Stakeholder und Geschäftsmodelle im Fokus. Sie alle verändern sich durch die voranschreitende Digitalisierung und deren Einfluss auf all unsere Lebensbereiche.

Projektziel

Das Projektziel der ersten drei Jahre war, sowohl mit Energie- und Technologiepartnern als auch mit Stromkundinnen und Stromkunden ein Pilot im Feld vorzubereiten. Dieses Pilotfeld umfasst Machbarkeitsüberprüfungen, Entwicklung von Produkten, Tests von Methoden, Definition von Geschäftsmodellen und Bedürfnisabklärungen und Miteinbezug von Stakeholdern. Ein Hausmanager und marktbasierte Preisanreize sollen Wärmepumpe, Boiler sowie weitere Geräte in Haushalten so steuern, dass die Stabilität des regionalen Stromverteilnetzes gewährleistet ist und die volkswirtschaftlichen Kosten der Energieversorgung minimiert werden können.

Unsere Partner

Wir konnten Energiedienstleister und Technologieunternehmen als Partner für dieses Projekt gewinnen. Von den Technologiepartnern werden wir mit Dienstleistungen, Hardware und Support unterstützt. In Gesprächen und Workshops haben sich Mitarbeitende unserer Partner zu Zukunftsszenarien, Geschäftsmodellen und verschiedenen Anspruchsgruppen eingebracht. Ab 2018 werden einige Unternehmen gemeinsam mit uns ins Feld gehen und sich für das Projekt und die dahinterliegende Idee weiter engagieren.

Szenarien und Simulationen

Basierend auf Zukunftsszenarien generierten wir unter Einbezug des europäischen Strommarktes, distanzbasierter Transportkosten und anderer Faktoren einen dynamischen Strompreis, wie er in 10 bis 20 Jahren Wirklichkeit sein könnte.

Wir simulierten hundert Haushalte im Labor. Mit dynamischen Strompreisen und Hausmanagern konnten wir zeigen, dass Haushaltsgeräte flexibel einsetzbar sind und die Möglichkeit bieten, auf veränderte Signale im Viertelstundentakt zu reagieren.

Kundenverhalten

In unseren Fokusgruppen und in der Online-Befragung zeigten sich Stromkundinnen und Stromkunden generell offen für Veränderungen in der Interaktion mit ihrem Energieversorgungsunternehmen. Dynamische Tarif-Modelle akzeptieren sie dann, wenn möglichst wenig Aufwand entsteht – das heisst, wenn Geräte wie Boiler oder Wärmepumpe automatisch auf das Stromangebot und die Stromnachfrage reagieren. Diese direkte Steuerung akzeptieren die Kundinnen und Kunden jedoch nur, wenn sie sie bei Bedarf manuell übersteuern können. Bei kundenseitigen Netzstabilisierungsmassnahmen ist darauf zu achten, dass Komfort und Privatsphäre nicht zu stark strapaziert werden. Hoch gewichtet wird von den Befragten auch die Fairness: Niedriges Einkommen, schwache Medien-/IT-Kompetenz oder fehlende Flexibilität in der Tagesstruktur (zum Beispiel bei Schichtarbeitenden, Mietern oder Familien) dürfen nicht zu Benachteiligung führen.

Geschäftsmodelle

In einem kooperativen Verfahren haben wir die strategischen Rahmenbedingungen für Energieinnovationen aufbereitet, Kundentypen in der Stromversorgung von Privathaushalten beschrieben und für ausgewählte Typen Angebotsideen entwickelt. Aus den Untersuchungen wurde klar, dass wer die Energieunabhängigkeit anstrebt, beim Aufbau der Eigenversorgung mit Strom und auch der anschliessenden Umsetzung Unterstützung braucht.

Ein modular installierbares Gesamtpaket kann Anlagen für Energie und Wärme einschliessen, wobei die Anlagen schlüsselfertig lieferbar wären. Zusätzliche Optionen sind denkbar bei Finanzierungsmodell, Wartung und Optimierung sowie bei verschiedenen Komplementärleistungen. Der Quartiermeister kann zudem ein wertvoller Multiplikator, Organisator, Koordinator und Innovator sein: er könnte Nachbarn zum Energiesparen sensibilisieren, Quartierlösungen und «Power Shopping» im Nachbarschaftsverband organisieren sowie eine Schaltstelle im Customer-Relationship-Management der Energieversorgungsunternehmen sein. Durch solche Aktivitäten trägt ein Quartiermeister wesentlich dazu bei, ein Quartier «fit für die Energiezukunft» zu machen.

Interdisziplinärer Ansatz

Mit dem interdisziplinären Ansatz und dem organisationsübergreifenden Zugang war die Projektidee ein kühner Sprung ins Ungewisse. Alle Projektbeteiligten trugen mit ihrem Wissen, ihrer Erfahrung, ihrer Kreativität, ihrer Hartnäckigkeit und ihrem grossen Engagement in den letzten drei Jahren zum erreichten Zwischenziel bei.

Unsere Vorarbeiten werden sich ab 2018 in der Umsetzungsphase im Feld weiter entfalten. Wir loten die Möglichkeit digital gesteuerter Energiesysteme in Quartieren aus und beziehen dabei die Erfahrungen von Nutzerinnen und Nutzern mit ein. In der Umsetzungsphase werden wir mehr Gewicht auf eine Co-Evolution von Wissenschaft und Gesellschaft legen.

Mit den geleisteten Vorarbeiten liegt nun das Konzept einer Explorationsplattform vor, die den Praxispartnern die Möglichkeit bietet, Versuche nach ihren Bedürfnissen auszugestalten und somit wichtige Informationen für eine robuste strategische Positionierung ihrer Unternehmen in einem unsicheren Umfeld zu gewinnen.

Stefan Roth, Projektleiter des «Regionalen Energieverbundes»