Die digitalisierte Abrechnung soll nicht einfach eine digitale Variante sein, sondern die interaktiven Möglichkeiten der neuen Medien nutzen und so einen Mehrwert für Endkunden und Anbieter schaffen. Dies führte Gerhard Hirschfeld und Gabriel Brunner, FHNW Studenten des Studiengangs Informatik, zu den Fragen: Wie sollte eine Energiekostenabrechnung gestaltet sein, damit die Informationen für verschiedenste Endkunden einfach verständlich sind? Welche interaktiven Funktionen führen zur aktiven Nutzung der digitalen Informationsplattform?

Die Energieabrechnung ist ein Zahlenteppich, welchen der Normalverbraucher nicht lesen kann. Die Übersicht über den Energieverbrauch (Wasser, Strom, Wärme, Gas etc.) bietet dem Verbraucher wenig Aufschluss. Mit dem Lastschriftverfahren, das viele Konsumenten bereits eingerichtet haben, kommt zuletzt gar keine Rechnung mehr ins Haus. Das Bewusstsein über den eigenen Energieverbrauch und somit das Erkennen von möglichen Energiesparpotentialen gehen vollständig verloren.

Die Digitalisierung ermöglicht neue Wege den Endverbrauchern Informationen zur Verfügung zu stellen und Aktionen interaktiv anzubieten. Des Weiteren kann das Interesse des Endkunden am eigenen Energieverbrauch und des Energiethemas an sich auf einer anderen Art und Weise geschürt werden. Bisher gibt es in der Schweiz nur wenige Energieanbieter, welche die Energieabrechnung und somit auch die Energieverbräuche digital aufbereiten. Deshalb initiierte die FHNW ein Studentenprojekt mit Gerhard Hirschfeld und Gabriel Brunner. Die übergeordnete Aufgabe des Studierendenprojekts war, eine für die breite Bevölkerung leicht verständliche Benutzeroberfläche einer digitalen Energiekostenabrechnung zu entwickeln. Idealerweise sollte diese digitale Energiekostenrechnung zu einer Verhaltensänderung im Umgang mit Energie führen.

Die digitale Energiekostenabrechnung mussten die Studierenden nach folgenden Kriterien entwickeln:

  • Aufgrund der vorhandenen und allfälliger zusätzlich durch den Nutzer hinzuzufügenden Daten sollen interessante Auswertungen und Zusammenhänge aufgezeigt werden.
  • Das Benutzererlebnis soll über den reinen Abruf von Zahlen hinausgehen und zusätzlich Möglichkeiten zum Sparen von Energie sowie Fortschritte in deren Umsetzung spielerisch aufzeigen.
  • Es soll eine Client-unabhängige webbasierte Implementierung gewählt werden (Mobile, Tablet, Desktop)

Ergebnisse der Analyse

Vor der Entwicklung eines digitalen Portals wurde die Ist-Situation betrachtet. Einige Energielieferanten bieten ihren Kunden digitale Portale an, um die Energieabrechnung einzusehen. Die Darstellung der Rechnungen ist meist dieselbe, wie bei der Papierrechnung. Bei manchen Portalen kann der Endkunde die Einstellungen verändern, sodass personalisierte Vergleiche und Handlungsempfehlungen erscheinen. Spielerische Anreize das Portal zu nutzen werden selten eingesetzt.

Entwicklung des Prototyps eines digitalen Portals

Für die Prototypentwicklung wurden drei fiktive Nutzer (Personas) definiert. Mit den Personas prüften die Studierenden die Gebrauchstauglichkeit (Usability) des Portals. Diese Personas stehen für verschiedene Benutzergruppen, welche nicht Energie oder Technik affin sind. Der Prototyp wurde von realen Personen, welche den Personas entsprachen, getestet und die Rückmeldungen flossen kontinuierlich in die Entwicklung des Portals ein. Des Weiteren wurde ein Farbschema entwickelt, welches die Informationsdarstellung zusätzlich unterstützte.

Bei der Entwicklung des Prototyps wurden einzelne Annahmen hinsichtlich der verfügbaren Informationen getroffen, welche nicht den aktuellen Gegebenheiten entsprechen. Zum Beispiel sind die Daten auf dem Prototypportal im Tagesrhythmus verfügbar. Dank der Einführung von Smart-Metern werden in naher Zukunft die Energieverbräuche jedoch auch real im Tagesrhythmus verfügbar sein. Bis 2027 werden in 80% der Haushalte Smart-Meter installiert.

Der Prototyp

Bereits auf der Einstiegsseite kann der Endkunde seinen Verbrauch vom letzten Jahr mit dem Schweizer Durchschnittsverbrauch vergleichen. Weitere Details können beim Anwählen der einzelnen Energiethemen eingeblendet werden.

Einstiegsseite des digitalen Energieportals

Fig. 1: Einstiegsseite des digitalen Energieportals

Die weiteren Details umfassen Vergleiche, Tipps und Tricks für die Einsparung, Vergleich des Verbrauchs mit anderen Anwendungen (entspricht 200 LEDs während 24 Stunden leuchten lassen), eine Aufschlüsselung des Verbrauchs auf verschiedene Tarife (Nieder- und Normaltarif), weitere Dokumente (Rechnungen, Verträge etc.) und die Energieherkunft.

Ausschnitt aus weiteren Details eines Energiethemas

Fig. 2: Ausschnitt aus weiteren Details eines Energiethemas

Spielelemente im nicht Spielumfeld (Gamification) sind anerkannte Massnahmen um die Aufmerksamkeit auf kaum beliebte Themen zu lenken. Im Prototyp wurde deshalb ein Auszeichnungssystem programmiert. Dieses Element soll die Endnutzer animieren öfters das Portal zu konsultieren, als nur zur Rechnungsbegleichung.

Auszeichnungssystem

Fig. 3: Auszeichnungssystem

Schlussfolgerungen

Digitale Energieportale stehen noch am Anfang. Diese Portale sollten dem Endkunden den eigenen Energieverbrauch aufzeigen und idealerweise dadurch Verhaltensänderungen bewirken. Finanzielle Anreize können den Endkunden zur Nutzung von Portalen veranlassen, jedoch führt dies nicht dazu, dass weitere Informationen gelesen werden (ähnliche Situation wie beim Lastschriftverfahren).

Der Prototyp zeigt, dass mit detaillierteren Verbrauchsdaten (Tageswerte), welche durch Smart-Meter verfügbar werden, ein Mehrwert entsteht, den man nur mit einem digitalen Energieportal dem Endkunden sinnvoll zugänglich machen kann.